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Gemeindebrief zum 07. April 2024 – Zweiter Sonntag der Osterzeit – Weißer Sonntag

Einführung

Das mit der Auferstehung – Fake News?

Im heutigen Evangelium fordert einer einen Fakten-Check. Einen Beweis.
Und ist damit als ungläubiger Thomas bekannt geworden.

Es ist ein mächtiges Evangelium, das Johannes uns hinterlassen hat. Das uns heute, nur eine Woche nach dem Auferstehungswunder des frühen Ostermorgens vorgestellt wird. Und es enthält viel mehr als „nur“ die Begegnung Jesu mit dem zuvor zweifelnden Thomas.

Deswegen habe ich die beiden anderen Bibelstellen des heutigen Tages fast übersehen: Vor allem die erste Lesung mit der schon utopisch anmutenden Gemeinschaft des Teilens. Ihr wiederholtes Lesen hat mich nachdenklich gemacht. Diese Utopie zeigt mir eine Richtung, die ich einschlagen kann:
Hin zu einem von Gottes reicher Gnade erfüllten Miteinander.

Lesen Sie dazu auch weiter unten eine, wie ich finde, passende Geschichte.

Ralph Bergande

Mitglied der Pilgergruppe Rom
Mail: pgr@dormagennord.de

1. Lesung: Apg 4, 32–35

Lesung aus der Apostelgeschichte

Die Menge derer, die gläubig geworden waren,
war ein Herz und eine Seele.
Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum,
sondern sie hatten alles gemeinsam.
Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab
von der Auferstehung Jesu, des Herrn,
und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt.
Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen,
verkauften ihren Besitz,
brachten den Erlös
und legten ihn den Aposteln zu Füßen.
Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.

2. Lesung: 1 Joh 5, 1–6

Lesung aus dem ersten Johannesbrief

Schwestern und Brüder!
Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist,
ist aus Gott gezeugt
und jeder, der den Vater liebt,
liebt auch den, der aus ihm gezeugt ist.
Daran erkennen wir, dass wir die Kinder Gottes lieben:
wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten;
und seine Gebote sind nicht schwer.

Denn alles, was aus Gott gezeugt ist, besiegt die Welt.
Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat:
unser Glaube.
Wer sonst besiegt die Welt,
außer dem, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?
Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist:
Jesus Christus.

Er ist nicht nur im Wasser gekommen,
sondern im Wasser und im Blut.
Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt;
denn der Geist ist die Wahrheit.

Evangelium: Joh 20, 19–31

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen:
Friede sei mit euch!
Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.
Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
Jesus sagte noch einmal zu ihnen:
Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen:
Empfangt den Heiligen Geist!
Denen ihr die Sünden erlasst,
denen sind sie erlassen;
denen ihr sie behaltet,
sind sie behalten.

Thomas, der Dídymus – Zwilling – genannt wurde, einer der Zwölf,
war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm:
Wir haben den Herrn gesehen.
Er entgegnete ihnen:
Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte:
Friede sei mit euch!
Dann sagte er zu Thomas:
Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
Jesus sagte zu ihm:
Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Geschichte zu den Lesungen

Einmal zog ein Vagabund mit seinem Wagen in ein Dorf. Er klopfte am nächstgelegenen Haus und eine mürrische, alte Frau machte ihm auf. Sofort rief sie: „Es gibt in der ganzen Gegend keinen Bissen zu essen!“ Doch der Vagabund winkte ab und sagte: „Oh, ich habe alles, was ich brauche! Ich will eine Kieselsteinsuppe machen und bräuchte nur einen Topf. Ihr seid alle eingeladen!“ Zögernd gab sie ihm einen Topf. Der Vagabund füllte ihn mit Wasser und machte ein Feuer darunter. Dann holte er einen grauen Stein aus seinem Sack und legte ihn ins Wasser. Mittlerweile waren alle Dorfbewohner auf dem Platz erschienen. Der Vagabund sagte laut zu sich: „Ah, ich liebe diese Steinsuppe! Einmal hatte ich Steinsuppe mit Kohl, die war natürlich kaum zu übertreffen.“ Die Frau, die ihm den Topf geliehen hatte, sah hinein und meinte: „Na ja, so einen Kohl hätte ich grad noch.“ Und sie lief eilig ins Haus, um den Kohl zu holen. „Großartig!“ rief da der Vagabund. Doch der Metzger, der auch auf den Dorfplatz gekommen war, um beim Kochen der seltsamen Kieselsteinsuppe zuzusehen, brummte: „Ja sicher, aber was ist schon Kohl ohne Pökelfleisch?“ Der Vagabund nickte verständig und sagte: „Gewiss, da hast du natürlich recht, das müsste gehen!“ „Und Kartoffeln! In eine Suppe gehören Kartoffeln! Ich glaube, ein paar verschrumpelte müsste ich noch im Haus haben.“ Schon lief die junge Frau, um sie zu holen. Nach und nach tauchten auch Zwiebeln auf, Möhren und Pilze. Die Suppe dampfte und duftete, dass allen das Wasser im Mund zusammenlief. Und schließlich saßen sie beisammen, jeder mit seinem Teller, und sie nahmen ein zweites und drittes Mal nach. Und es wurde ein Fest. Ja wirklich, ein richtiges Fest – mit einer Suppe von Kieselstein!

Autor unbekannt

Fürbitten

Menschenfreundlicher Gott!

Gib mir Mut, zu teilen, zum Beispiel:

Mein Brot. Mit dem Kind, das ohne Frühstück in die Schule kommt.
– Atme in uns, Heiliger Geist!

Meine Aufmerksamkeit. Mit dem ausgegrenzten Kollegen.
– Brenne in uns, Heiliger Geist!

Mein Geld. Mit der Verkäuferin einer Obdachlosenzeitung.
– Wirke in uns, Heiliger Geist!

Meine Zeit. Mit dem einsamen Nachbarn.
– Atme in uns, Heiliger Geist!

Meine Kraft. Mit dem schutzbedürftigen Flüchtling.
– Brenne in uns, Heiliger Geist!

Meine Gefühle. Mit der krebskranken Freundin.
– Wirke in uns, Heiliger Geist!

Und gib mir den Mut, selbst Unterstützung und Zuwendung anzunehmen.
Meine Dankbarkeit zu zeigen. – Atem Gottes, komm!

Meditation

wirklich wahr

im einandermitteilen
miteinander teilen
dass gottes verheißung
aufbrechen lässt
dass seine Vergebung
bedingungslos ist
und seine liebe
wunden heilt

schafft vertrauen
macht mut
bleibt nicht ohne widerschein
verhallt nicht
ohne resonanz
in unseren herzen

Petra Ng’uni

05.04.2024

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