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Zumutungen – was wird uns alles zugemutet…

„Zumutung" oder „jemandem etwas zumuten" –
diese Worte haben eine eigene Empfindungsqualität. 

Oft sind sie im alltäglichen Sprachgebrauch negativ besetzt.
In der Wortgeschichte ist von Anfang an eine gereizte Stimmung mit diesen Ausdrücken verbunden. Verwandt mit dem „Zorn" meinen sie ein ungebührliches, unangemessenes Verlangen bis hin zu Frechheit, Rücksichtslosigkeit und Unverschämtheit. Schlechte Fußballspiele der Lieblingsmannschaft etwa können eine gewöhnliche Zumutung sein. Auch die Schlange an der Supermarktkasse, ein Stau auf der Autobahn oder das Fernsehprogramm können so empfunden werden. 

Welches Verhalten zieht solch eine Empfindung nach sich?
Welche Chancen sind darin verborgen? 

Statt aus der Haut zu fahren, werden mir Geduld, Anstrengung oder auch Ausdauer zugemutet.
Es gibt Zumutungen von ganz anderem Gewicht.
Tagtäglich stellen sie sich in den Weg.
Was prasselt alles auf einen wachen Zeitgenossen ein?

Mit der Missbrauchs- und Vertuschungskrise hat sich, so scheint es, etwas Grundlegendes verändert. Es sind nun nicht mehr allein die von außen herkommenden Anfragen, die zu Rechtfertigung und Standpunktklärung auffordern. Vielmehr macht sich bei vielen Menschen bis weit in den Kern der Stammgemeinde hinein ein Zweifel breit, ob es mit der Kirche „seine Richtigkeit habe", wenn man im Blick auf Missbrauch und Vertuschung das Verhalten kirchlicher Amtsträger, den lausigen Umgang der Leitungsebene und die gelähmt wirkende Aufarbeitungs- und Erneuerungsarbeit der kirchlichen Institution zur Kenntnis nehmen muss. 

Mein Eindruck ist: Bei vielen Menschen, die bislang treu zur Kirche standen und sich nicht unbedingt in den ersten Reihen der kirchlichen Reformbewegung wiederfanden, ist etwas zerbrochen – das Hintergrundvertrauen, dass die Kirche zwar wohl hier und da erneuerungsbedürftig ist, aber dass sie doch – nach der Erneuerung durch das Konzil und angesichts vieler persönlicher Glaubenserfahrungen auch im kirchlichen Rahmen – grundsätzlich auf dem richtigen Weg sei.

Dieser Zweifel geht bei vielen Menschen tief und er sollte ernst genommen werden.

Zunächst macht sich der Zweifel als Enttäuschung breit.
Es ist die Enttäuschung darüber, dass diese Kirche, die vielen Menschen eine so lange Strecke ihres Lebensweges entlang Heimat dafür gab, ihren Glauben leben und entwickeln zu können, offenbar noch ein anderes, bislang ungekanntes Gesicht zeigt.

Eine Zumutung für immer mehr Menschen unserer Tage...
Was hat es mit diesen oder anderen Zumutungen auf sich?
Vielleicht gibt es Hinweise aus der Heiligen Schrift...

Pastor Klaus Koltermann

24.03.2021

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