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Gemeindebrief zum 09.05.2021

Wenn wir uns wirklich in der Liebe Gottes wissen, wird das die Dynamik, Lebenskräfte und Lebensfreude in jedem Menschenleben wecken und stärken. In Gottes und Jesu Liebe zu sein, bedeutet, dass dies hat durchaus Folgen hat:
Jesus sieht sein Verhältnis zu uns als ein freundschaftliches Verhältnis.
Er sieht es nicht als ein Verhältnis von Befehl und Gehorsam, auch nicht als eines von Drohung und Angst.
Und wie das unter Freunden ist, hat Jesus von seiner Kenntnis über Gott und über sich selbst uns gegenüber nichts zurückbehalten. Wir sind also nicht im Unsicheren, wie Gott zu uns steht. Wir haben nichts Unbekanntes zu erwarten, das uns Jesus nicht schon mitgeteilt hätte.
Es gibt einen Maßstab, an dem wir merken, wie weit wir Jesu und Gottes Freundschaft und Liebe in ihrer Wirkung schon in uns zugelassen haben: nämlich insoweit wir bereit sind, insoweit es aus uns herausströmt, unseren Mitmenschen gut zu sein, etwas von uns gerne weiterzugeben, zu verschenken, ohne das Gefühl zu haben, dass wir selber dabei zu kurz kommen.

Pfarrer Klaus Koltermann

Telefon: 02133 91591
Mail: pastor.koltermann@dormagen-nord.de

Lesung aus der Apostelgeschichte

Als Petrus in Cäsaréa beim Hauptmann Kornélius ankam, ging ihm dieser entgegen und warf sich ihm ehrfürchtig zu Füßen.
Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.
Da begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Noch während Petrus redete, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.
Petrus aber sagte:
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen.
Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.

Lesung aus dem ersten Johannesbrief

Geliebte, wir wollen einander lieben;
denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt;
denn Gott ist Liebe.
Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.
Darin besteht die Liebe:
Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.
Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.
Vielmehr habe ich euch Freunde genannt;
denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.
Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.

Predigt

Liebe Mitchristen,

von Liebe ist heute im Evangelium viel die Rede – fast zu viel, so könnte es einem schon vorkommen. Denn oft gehen wir heute mit dem Wort „Liebe" ja meist viel sparsamer und vorsichtiger um. Wenn ein Mann einer Frau oder eine Frau einem Mann oder eine Frau einer Frau oder ein Mann einem Mann gesteht: „Ich liebe dich", dann ist das etwas Besonderes oder soll es zumindest sein. Inflationär jedenfalls wird dann dieses Wort nicht gebraucht, weil zu oft sich später ja herausgestellt hat, dass viel von Liebe die Rede war, dann aber doch vieles arg lieblos war, dass die hehren Worte entwertet und die hohen Erwartungen nicht erfüllt wurden – oder auch, dass eine Liebe nach Jahren erkaltet und in der Routine des Alltags abhandengekommen ist.

Darum sind wir vermutlich eher scheu geworden, was das große Wort Liebe angeht, auch im Raum der Kirche. Kommt darum auch unser heutiges Evangelium nicht etwas zu großspurig daher, weil darin ja auch immer wieder von Liebe die Rede ist – obwohl wir eingestehen müssen, dass die Kirche und wir Christen selber viel zu oft hinter diesem Ideal zurückbleiben?

Vielleicht aber hilft es uns da ein wenig weiter, wenn wir bedenken, dass andere Sprachen nicht nur ein Wort für Liebe kennen. Drei unterschiedliche Begriffe kommen etwa im griechischen Urtext in der Erzählung von der Erscheinung des Auferstandenen am See Genesareth vor, als Jesus Petrus dreimal fragt, ob er ihn liebt.
Einer dieser Begriffe leitet sich ursprünglich vom griechischen Wort für Freundschaft ab. Das aber bedeutet: Liebe im biblischen Verständnis wird nicht allein eingegrenzt auf die Beziehung zwischen verliebten und verheirateten Paaren. Es ist vielmehr auch eine Umschreibung für das, was die Verbindung zwischen Freunden ausmacht. Denn Freunde gehen gut, ja liebevoll miteinander um. Wir könnten darum statt Liebe auch von Zuneigung, von Sympathie, von Freundschaft sprechen.
Im Lateinischen schließlich begegnet der Begriff „caritas". Er bedeutet sowohl Liebe als auch Dienst am Nächsten. Das lateinische Wort leitet sich ab von „carus", was eigentlich meint: Etwas ist hoch im Preis, es ist einem teuer, lieb und viel wert. Caritas ist dann ein Verhalten, das einem anderen zeigt: Du bist mir viel wert, und darum setze ich mich für dich ein.
Wenn Menschen also diesen Nächstendienst, diese Nächstenliebe üben, dann machen sie damit deutlich: Der Mitmensch ist mir nicht egal, im Gegenteil: Wer auch immer mir begegnet und in Not ist, soll meine Hilfe erfahren, weil er mir lieb, weil er mir teuer ist, weil ich ihm aufgrund seines Menschseins meine Wertschätzung, meine Liebe entgegenbringe.

Noch ein weiterer Gedanke kann uns vielleicht dabei helfen zu verstehen, warum es doch nicht so falsch sein kann, Liebe auch in einem weiteren Sinn zu verwenden und nicht nur auf die Liebe von Liebespaaren zu beziehen. Paartherapeuten weisen nämlich immer wieder darauf hin, was das Verhältnis zweier liebender Menschen vor allem prägen sollte. Unsere mitmenschlichen Beziehungen in der Berufswelt, in Politik und Gesellschaft sind meist von einem Ausgleichsdenken bestimmt: Ich gebe etwas, damit ich wieder etwas zurückerhalte. Wenn die Balance der Gegenseitigkeit hier nicht mehr gegeben ist, dann gibt es für uns meist keinen Grund mehr, warum wir dann noch etwas für den anderen tun sollten. Warum sollte man etwa für einen Arbeitgeber noch arbeiten, wenn der einen nicht bezahlt?

Die Liebe zwischen Paaren (in welcher Weise auch immer!) aber ist von einer anderen Logik geprägt. Liebe beinhaltet auch eine Hingabe für den anderen – auch ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten oder einzufordern. Im Gegenteil: Wenn man hier die aus dem sonstigen Leben vertraute Logik von Einsatz und Gegenleistung anwenden würde, dann wäre die Liebe schnell am Ende. Liebe schaut nicht so sehr auf sich, sondern eher auf den anderen. Selbstlosigkeit allerdings braucht nicht nur die Beziehung eines Liebespaares. Hingabe kommt auch ins Spiel, wenn jemand sich ehrenamtlich für andere engagiert, wenn er anderen zu helfen versucht und dabei seine Zeit, seine Kräfte, seine Möglichkeiten einsetzt.

Deshalb glaube ich auch, wir sollten darum keine Angst haben im Umgang mit dem großen Wort Liebe. Wir sollten es nicht nur reservieren für die innige Beziehung zwischen zwei liebenden Menschen. Liebe passt tatsächlich im Gegenteil auch sehr gut für den Dienst von Menschen aneinander, für den Nächstendienst, für die tätige Nächstenliebe. Denn das Wort Liebe meint, dass man tatsächlich hier zum Freund für andere wird, gerade für Menschen in Not, dass man ihnen zeigt, wie viel sie einem wert sind und wieviel selbstlose Hingabe man bereit ist, für sie aufzuwenden.

Pastor Klaus Koltermann

Fürbitten

Jesus nennt uns Freundinnen und Freunde denen Gott alles gibt, um was wir in seinem Namen bitten. Im Vertrauen auf diese Liebe treten wir ein für die nahen und die fernen Nächsten und bitten um Gottes Kraft:

Bitten:
1. ... für die Menschen in den ärmeren und armen Ländern,
in Indien und in Afrika, wo die Corona-Pandemie besonders bedrohlich ist;
und für alle, die an der gerechten Verteilung der Impfstoffe
und an der besseren Versorgung der Kranken weltweit arbeiten.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

2. Wir bitten um Gottes Kraft für die Geimpften und die von Covid19 Genesenen,
für alle, die lange unter den Folgen der Krankheit leiden;
für die schwer Erkrankten und alle, die in den Kliniken für sie arbeiten.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

3. Wir hoffen auf Gottes Kraft für jungen Menschen,
deren Kinder- und Jugendzeit von der Pandemie so stark beeinträchtigt ist;
und für alle, die ihnen helfen, Lern-Lücken zu schließen
und gute Erfahrungen für ihr Leben zu machen.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

4. Wir beten für alle, die um Gottes Segenskraft bitten
für ihr eigenes Leben, für ihre Partnerschaft und Familie,
für wichtige Entscheidungen und für andere Menschen.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

5. Wir hoffen auf Gottes Geist für alle,
die in politischen oder wirtschaftlichen Konflikten stehen;
für EU und Vereinigtes Königreich, für Schottland und Ukraine...
und für die neu verabredeten Koalitionen in Stuttgart und Mainz.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

6. Wir sind im Geist der Liebe verbunden mit allen,
die den Ökumenischen Kirchentag unter starken Einschränkungen begehen wollen als Fest der einen Kirche.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

7. Wir denken an Sophie Scholl und die Weiße Rose
und beten um Weisheit und Kraft von Gott für alle,
die Widerstand leisten gegen ungerechte Gewalt und den Missbrauch von Macht.
- kurze Gebetsstille –
V: Sende aus deinen Geist –
A: und das Antlitz der Erde wird neu

Abschlussgebet

Weil Du uns Menschen liebst,
weil Jesus uns zu Freundinnen und Freunden macht,
sind wir verbunden mit allen Menschen-Geschwistern.

Wir danken für die Kraft und den Beistand deines Geistes
für uns und die ganze Welt -
und loben dich heute und morgen und bis in Ewigkeit. Amen

Quelle: Bistum Trier

07.05.2021

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