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Gemeindebrief zum 17.10.2021

,,bei Euch aber soll es nicht so sein...
Denn der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen,
sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele''
Mk. 10

Liebe Gemeinde,

Dienen und nicht dienen zu lassen!
Es ist ein sehr schönes Thema für heutige Zeit, so finde ich.
Wir singen in einem Lied wie diesem: „Herr, gib uns Mut zum Dienen, wo's heute nötig ist." Genau, es erfordert Mut, zu dienen. Es braucht Demut, um zu dienen.
Aber ohne füreinander da zu sein, einander zu helfen, einander zu dienen, gibt es kein Leben, kein Leben gelingt. Kein Kind wächst auf, wenn es nicht von anderen unterstützt wird. Niemand kann ohne die Hilfe anderer überleben.
„Kein Leben ohne Netzwerk!" Das sagte die Zeitung. Das gilt für das Internet, aber auch für jede Gemeinschaft, für jeden Beruf, für unsere Familien, Vereine und Freunde. Wir brauchen das Netzwerk von Menschen, die uns tragen und halten, die zu uns stehen und uns helfen! Wir brauchen ein Netzwerk von Menschen, die sich um uns kümmern, sich um uns kümmern, sich mit uns freuen und mit uns leiden. Liebe uns einfach.
Jesus Christus macht uns das heute neu bewusst. „Bei euch soll es nicht so sein!"
Ich wünsche Ihnen und mir, dass uns in dieser neuen Woche gelingt, wozu uns Papst Franziskus einlädt: Dass wir ein Zeugnis geschwisterlichen Miteinanders geben, das anziehend wirkt und ermutigt."
Dass uns dies mit Gottes Hilfe gelinge!

Ihr Pater George Palimattam Poulose, CMI
Mail: pater.palimattam@dormagen-nord.de

Kyrie

„Herr gib uns Mut zum Dienen,
wo's heute nötig ist." Herr, erbarme Dich!

„Herr, gib uns Mut zum Hören,
auf das, was Du uns sagst." Christus, erbarme Dich!

„Herr, gib uns Mut zum Glauben,
an Dich, den einen Herrn." Herr, erbarme Dich!

„Herr, gib uns Mut zur Stille, zum Schweigen und zum Ruh'n.
Wir danken Dir: Du willst uns Gutes tun durch Christus, unseren Herrn. 

Amen.

Erste Lesung Jes 53, 10–11

Gott setzte sein Leben als Schuldopfer ein;
er wird Nachkommen sehen und lange leben

Lesung aus dem Buch Jesája.

Der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten.
Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt,
wird er Nachkommen sehen und lange leben.
Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis.
Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.

ANTWORTPSALM PS 33 (32), 4–5.18–19.20 U. 22 (KV: 22)
Kv Lass deine Huld über uns walten, o HERR! – KvGL 46, 1

Das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
– (Kv)
Siehe, das Auge des HERRN ruht auf denen, die ihn fürchten,
die seine Huld erwarten, dass er ihre Seele dem Tod entreiße und,
wenn sie hungern, sie am Leben erhalte.
– (Kv)
Unsre Seele hofft auf den HERRN; er ist unsre Hilfe und unser Schild.
Lass deine Huld über uns walten, o HERR, wie wir auf dich hofften!
– Kv

Zweite Lesung Hebr 4, 14–16

Lasst uns voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade
Lesung aus dem Hebräerbrief.
Schwestern und Brüder!

Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat.
Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!

Ruf vor dem Evangelium Vers: vgl. Mk 10, 45
Halleluja. Halleluja.
Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
Halleluja.

Evangelium Mk 10, 35–45 Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

In jener Zeit traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu Jesus und sagten:
Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.
Er antwortete:
Was soll ich für euch tun?
Sie sagten zu ihm:
Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen!
Jesus erwiderte:
Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?
Sie antworteten:
Wir können es.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist.
Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Predigt

Schwestern und Brüder!

Wir Menschen sind immer auf der Suche nach den schönsten und besten Plätzen für uns. So suchten auch die Jünger Jesu nach den besten Plätzen. Gleichzeitig ist Jesus auf dem Weg, den niedrigsten Platz einzunehmen: im Gefängnis, gefoltert und verspottet, ein Kreuz schleppend, am Kreuz sterbend.
Wie kann ein Mensch verstehen, dass dies der Weg des großen Gottes ist, die Menschheit zu erlösen, die Menschheit mit dem Leiden und dem Kreuz zu versöhnen?
Die Jünger waren überfordert. Und das sind wir bis heute. Aber es ist Gottes Weg in dieser Welt. Das wird für uns immer ein göttliches Geheimnis bleiben, warum Gott diesen Weg geht: Dienst. Beherrsche nicht! Strebe nicht nach Macht. Sich klein machen. Sich so klein machen, dass er in einem Stück Brot in unsere Hand, in unseren Mund, in unser Leben passt.
Gottes Liebe zu uns ist so groß!
So weit geht Gott, wenn er vom Dienst spricht.
Er dient uns, damit wir leben können, für immer leben.
„Bei euch aber soll es nicht so sein!" Ich bleibe bei diesem Wort hängen. Wir weisen gerne auf die Mächtigen hin, die ihre Macht missbrauchen. Wir regen uns gerne über die Politiker auf, die nichts richtigmachen.
„Bei euch soll es nicht so sein!" Das betrifft zuerst jede und jeden von uns!
Deshalb schreibt Papst Franziskus in „Evangelli gaudium" Nr. 98: „Wie viele Kriege innerhalb des Gottesvolkes und in den verschiedenen Gemeinschaften. Im Wohnviertel, am Arbeitsplatz – wie viele Kriege aus Neid und Eifersucht, auch unter Christen!
Die spirituelle Weltlichkeit führt einige Christen dazu, im Krieg mit anderen Christen zu sein, die sich ihrem Streben nach Macht, Ansehen Vergnügen oder wirtschaftlicher Sicherheit in den Weg stellen."
„Bei euch soll es nicht so sein!"
Deshalb schreibt Papst Franziskus weiter: „Die Christen aller Gemeinschaften der Welt möchte ich besonders um ein Zeugnis brüderlichen Miteinanders bitten, das anziehend und erhellend wird. Damit alle bewundern können, wie ihr euch umeinander kümmert, wie ihr euch gegenseitig ermutigt und wie ihr einander begleitet. „
Jesus geht den untersten Weg, ganz konsequent!
Jesus macht uns Mut dazu, nicht nach den besten Plätzen zu streben, sondern an dem Platz unseren Dienst zu tun, wo wir gebraucht werden. Er ermutigt uns, nicht durch Kleinkrieg das Leben zu verderben, sondern einander zu begleiten, auch einander auszuhalten. Einander mit Liebe und Respekt zu begegnen.
Das ist der Weg Gottes mit den Menschen.
Das ist der Weg eines Menschen, der Maß nimmt an Jesus Christus.
Immer neu lehrt uns Jesus Christus durch sein Evangelium ihm zu folgen. Nicht auf die ersten Plätze, sondern dorthin, wo er uns einen Platz bereitet hat. Denn darum geht es Jesus Christus: Dass wir auf Erden an dem Platz, unseren Dienst tun, der unser Leben ist. Dass wir im Himmel an dem Platz landen, den er, unser Bruder Jesus Christus, uns mit Liebe bereitet hat. Amen.

Fürbitten

Dienen heißt da zu sein, wenn wir gebraucht werden, anderen Zeit, Ohren, Hände leihen. Es heißt auch, für sie zu beten:

• für alle Menschen, die auch heute noch wie Sklaven und Leibeigene arbeiten und leben;

• für die Minister und alle Politiker, die dem Volk dienen sollen, und überall auf der Welt;

• für die Amtsträger in den Kirchen,
die du als Diener des Volkes Gottes und Mitarbeiter am Reich Gottes berufen hast;

• für alle, die den „Dienst" im Namen führen, ob sie nun bei einem Pizzadienst, Schlüsseldienst, beim Bundesnachrichtendienst oder einem der vielen sozialen Dienste arbeiten;

• für alle, die den Einsatz für andere Menschen mit ihrer Gesundheit oder mit dem Leben bezahlt haben;

• für die Verstorbenen, die bekannten und unbekannten, die nun bei dir in der Gemeinschaft aller Heiligen leben.

Gott, dein Ohr ist offen, wenn wir zu dir rufen.
Sieh unseren guten Willen, sieh aber auch auf die Sorgen der Menschen, den Unfrieden und die Ungerechtigkeit in der Welt.
Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Meditation

Edith Stein schreibt:

Der Mensch ist dazu berufen, 

in seinem Innersten zu leben

und sich selbst so in die Hand zu nehmen,

wie es nur von hier aus möglich ist;

nur von hier aus ist auch

die rechte Auseinandersetzung mit der Welt möglich.

15.10.2021

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