zurück

85. Gemeindebrief zum 19.12.2021

Liebe Gemeindemitglieder,

wir feiern schon den 4. Advent
und langsam sollte unsere Stille Zeit des Jahres beginnen.

Sicher ist es schwierig, entgegen dem Trend der Zeit in allen Medien den Advent als eine Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest zu sehen -
und zu gestalten.

Doch genau dazu lade ich Sie herzlich ein!

Nehmen wir Weihnachten nicht vorweg,
sondern genießen die Vorfreude darauf und vielleicht auch die Gelegenheiten sich zum Beispiel in den Bußgottesdiensten spirituell zu rüsten.

Herzlichst
Ihr

B. Michael Offer, Diakon

Tel. 02133-90062 (Pastoralbüro)
Mail: st-pankratius@dormagen-nord.de

Kyrie

Mit unseren Gefühlen sind manche vielleicht schon
beim Weihnachtsfest angekommen.

Zuvor gilt es aber noch, den 4. Adventsonntag bewusst wahrzunehmen.

Er schenkt uns das Geheimnis der Begegnung. Wir erleben die Begegnung zwischen Elisabeth und Maria, wie auch zwischen Johannes und Jesus mit.

Und diese Feier möchte uns zur Begegnung mit dem Gott des Lebens führen.

Zu ihm rufen wir im Kyrie:

Herr, Jesus Christus,
du kamst in die Welt, um den Willen des Vaters zu erfüllen.
Herr, erbarme dich.

Durch deine Hingabe an deinen Auftrag rufst du uns zu einem neuen Miteinander.
Christus, erbarme dich.

In der Hingabe deines Lebens willst du auch uns heiligen.
Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Herr, unser Gott,

wir scheuen uns, deinem Ruf zu folgen;
wir haben Angst, dass wir dann allein stehen.

Hilf uns, deine Wege zu gehen
und uns für Christus zu entscheiden,
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

1. Lesung

Lesung aus dem Buch Micha.

So spricht der HERR:

Du, Betlehem-Efrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll.
Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen.

Darum gibt er sie preis, bis zu der Zeit, da die Gebärende geboren hat.
Dann wird der Rest seiner Brüder zurückkehren zu den Söhnen Israels.
Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des HERRN, in der Hoheit des Namens des HERRN, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde.

Und er wird der Friede sein.

2. Lesung

Lesung aus dem Hebräerbrief.

Schwestern und Brüder!

Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus:

Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert,
doch einen Leib hast du mir bereitet;
an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen.
Da sagte ich: Siehe, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle - ,
um deinen Willen, Gott, zu tun.

Zunächst sagt er:
Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht,
du hast daran kein Gefallen, obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden; dann aber hat er gesagt:
Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun.
Er hebt das Erste auf, um das Zweite in Kraft zu setzen.
Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt - ein für alle Mal.

Evangelium

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:

Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

Predigt

Aus Kleinem, Unscheinbaren geht oft Großes hervor.
Wir merken das auch im alltäglichen Leben, wenn wir über Menschen staunen, die in den Augen mancher unbedeutend wirken, die sich sogar abfällige Bemerkungen gefallen lassen müssen. Dann gelangen gerade diese Frauen und Männer oder auch Kinder, die in ihrer gesamten Gestik, Mimik, Ausdrucksweise einen schlechten Eindruck hinterlassen, plötzlich zu Ansehen und Ehren, weil man ihnen nichts zutraut, ihre Begabungen kaum erkannt oder sie falsch eingeschätzt hat.

Durch die Heilige Schrift erfahren wir ähnliche Beispiele: aus einem kleinen Senfkorn entsteht ein großer Baum; Frauen fortgeschrittenen Alters oder solche, die als unfruchtbar gelten, werden Mütter: Hanna, Mutter des Propheten Samuel (1 Sam.), Sara, Ehefrau Abrahams, Mutter Isaaks (Gen.20, 12), Elisabeth mit Ehemann Zacharias werden Eltern von Johannes d. Täufer. Wir haben es mit Frauen außerhalb der Norm zu tun, wie erwähnt, biologisches Ablaufdatum oder unfruchtbar, also nach menschlichem Ermessen geschieht Unmögliches.

Aus Kleinem entsteht Großes.
Maria, Mirjam, gebiert das berühmteste Baby der Welt. Es macht bis heute Weltgeschichte in der Zeitenrechnung, im Jahresfestkreis, der in einer sehr säkularen, industrialisierten, digitalen Welt noch immer christlich geprägt ist, mit Ausstrahlungskraft in nichtchristliche Länder und Kulturen und auch im Brauchtum.
Angekündigt wird dieses Kind schon im Alten Testament, heute hörten wir einen Abschnitt aus dem Buch Micha, der so wie die Propheten Amos, Hosea, Jesaja, soziale Missstände, Machtmissbrauch aufs schärfste verurteilt, der auch an anderer Stelle sagt, dass Wirtschaftsdelikte kein Kavaliersdelikt sind.
Das Buch Micha, bzw. der Prophet, arbeitet in seinem Inhalt mit Zuckerbrot und Peitsche. Heute hörten wir ein Trostwort an Israel am Ende des Exils: ein neuer Herrscher wird kommen, ein endzeitlicher Friedensträger.
Dazu werden im Evangelium mehrere Gedanken zur Sprache gebracht.
Josef, der hier im Evangelium nicht genannt wird, ist die schweigende Hilfe am Rand.
Er beweist seine Stärke im Losgehen nach Ägypten, in dienstwilliger Bereitschaft.
Er leistet viel Hintergrundarbeit, die vordergründig wichtig ist. Gilt das nicht auch heute für die vielen helfenden Hände in Pfarre, Kirche und Gesellschaft, für die vielen Frauen und Männer, Jugendliche, die selbstlos Zeit herschenken, um Gutes zu tun?

Maria, die mit ihrem freiwilligem JA zu Gott die Erlösung möglich macht, es ist ein JA der Freiheit, Gott zwingt nicht, er klopft an. (Off.3,20)

Die Hirten als Randexistenzen. Sie erfahren als erste die Botschaft. Jesus kommt nicht mit 21 Salutschüssen zur Welt, wie das in Königshäusern bei der Geburt eines Kindes üblich ist. Hirten, am Rand der Gesellschaft, klein, unbedeutend rücken ins Rampenlicht. Bis heute finden wir sie in den Krippen dargestellt.

Das Evangelium zeigt Ehrfurcht vor dem Leben:
Komm, o mein Heiland Jesu Christ
mein Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Freude ein
dein Freundlichkeit auch uns erschein.

Bitten wir darum, dass Weihnachten, ein Fest sein möge, das unser, mitunter verhärtetes „Herz aus Stein" zu einem „Herz aus Fleisch" mache. (Ez.36,24- 27).

Fürbitten

Herr, unser Gott, deine Macht reicht bis an die Grenzen der Erde.

Daher bitten wir dich:

Wir beten für alle, die sich in diesen Tagen vor Weihnachten erschöpft und ausgelaugt fühlen, dass sie sich trotz aller Belastungen der Begegnung mit dir öffnen können.

Für alle Menschen, denen der Beruf keinen Spielraum für menschliche Begegnungen lässt, dass sie darin als Menschen nicht verkümmern.

Für alle Frauen und Männer, die ein Kind erwarten, dass sie sich auf ihr Elternglück freuen können und Menschen finden, mit denen sie ihre Freuden und Ängste teilen können.

Für alle, die in diesen Tagen nicht an Weihnachten denken können, weil sie ihr Leben in Sicherheit bringen müssen. Lass sie Menschen begegnen, die ihrer Not Abhilfe schaffen.

Für unsere Verstorbenen.
Führe sie zur großen Begegnung mit dir als Erfüllung ihres Lebens.

Mit Maria und Elisabeth preisen wir deine Größe und Barmherzigkeit
und danken wir dir für all das Gute, das du uns immer neu erweist. – Amen.

Schlussgebet

Guter Gott, du bist Mensch geworden,
weil du dich uns in und mit deiner Liebe mitteilen wolltest.

Es fällt uns schwer,
diese Liebe mit unseren Maßstäben und Vorstellungen zu begreifen.

Alle Geschenke, die wir uns in diesen Tagen schenken,
sind nur Andeutungen dieses einen Geschenkes,
das die Welt und unser ganzes Leben verändern kann.

Dafür danken wir dir, durch Jesus unseren Bruder.

Segen

Gott, segne uns und unser Leben.

Wende uns Dein Angesicht zu.

Schenke uns Deine absichtslose Liebe

und Deine unvoreingenommene Aufmerksamkeit.

Segne alle unsere Begegnungen,

die uns in Bewegung versetzen.

Amen.

16.12.2021

drucken | zurück

 

powered by webEdition CMS