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101. Gemeindebrief zum 01.05.2022 - 3. Sonntag in der Osterzeit

Einführung

Vielleicht schauen wir uns diese Geschichte einmal an.

Jesus steht am Ufer des Sees von Tiberias. Es war der Alltag der Jünger.
Jesus steht auch am Ufer unseres Lebens, mitten in dem, was uns beschäftigt.
Die Jünger haben die Nacht gefischt. Das war die beste Zeit zum Fischen.
Doch dieses Mal waren sie erfolglos. Auch wir fühlen uns oft erfolglos.
So kann die Nacht auch stehen für unsere Zweifel, dafür, dass wir uns Gott fern fühlen. Doch mit Jesus gibt es ein Morgen, immer wieder einen Neuanfang. Denn es war am Morgen als Jesus den Jünger begegnet. Nun werfen sie wider jede Berufserfahrung die Netze noch einmal auf die andere Seite aus. Können die Worte Jesu uns beflügeln, neue Wege zu gehen und unsere Gedanken hintan zu stellen?

Pastor Klaus Koltermann

1. LESUNG (UNGEKÜRZTE FASSUNG) - APG 5,27B-41

Lesung aus der Apostelgeschichte.

In jenen Tagen führte man die Apostel herbei und stellte sie vor den Hohen Rat.
Der Hohepriester verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen.

Petrus und die Apostel antworteten:
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken.
Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen.
Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.
Da erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er befahl, die Apostel für kurze Zeit hinausführen.
Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt!
Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes.
Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an.
Aber er wurde getötet und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben.
Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf;
er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr.
Auch er kam um und alle seine Anhänger wurden zerstreut.
Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei;
denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten;
sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen.
Sie stimmten ihm zu, riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen;
dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei.
Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.

2. LESUNG - OFFB 5,11-14

Lesung aus der Offenbarung des Johannes.

Ich sah und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausend mal zehntausend und tausend mal tausend.

Sie riefen mit lauter Stimme:
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist,
Macht zu empfangen,
Reichtum und Weisheit,
Kraft und Ehre,
Lob und Herrlichkeit.

Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was darin ist, hörte ich sprechen:
Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit.
Und die vier Lebewesen sprachen: Amen.
Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an.

EVANGELIUM - JOH 21,1-19

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen.
Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit.
Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot.
Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.
Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen?
Sie antworteten ihm: Nein.
Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus:
Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen.
Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land.
Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst!
Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du?
Denn sie wussten, dass es der Herr war.
Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?
Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte:
Liebst du mich?
Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.
Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, ich sage dir:
Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest.
Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde.
Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Gedanken zum Evangelium

Beinahe kommt mir diese Erfahrungen ganz alltäglich vor...

Wir mühen uns ab, im Beruf, in der Bewältigung der vielen Aufgaben im Alltag und machen am Ende die Feststellung, dass vieles vergeblich war. Auch mit Blick auf Glauben und Kirche gibt es negative Erfahrungen: Seelsorger und Seelsorgerinnen, hauptamtliche wie ehrenamtliche, Eltern: Sie alle haben sich eingesetzt, um Menschen, vor allem junge, für den christlichen Glauben zu gewinnen. Doch häufig blieb der Erfolg aus. Wenn heute irgendwo über die Zukunft der Kirche gesprochen wird, fallen die Perspektiven negativ aus – im Gegenteil, in der Kirche wird es leerer... Besserung ist für viele nicht in Sicht. Selbst Reformbewegungen gegenüber ist man pessimistisch eingestellt. Viele Engagierte machen die gleiche Erfahrung wie die Jünger im heutigen Evangelium, die mit Petrus auf Fischfang gingen und nach nächtlichem Mühen am Morgen mit leeren Netzen heimkehrten. Im heutigen Evangelium aber gibt es eine Wende: Jesus steht am Ufer. Die Jünger aber erkennen ihn nicht auf Anhieb. Ergeht es uns nicht ähnlich? Wir stehen da mit leeren Händen und erkennen nicht, dass Jesus am Ufer unseres Lebens steht, weil unser Glaube noch nicht stark genug für die Herausforderungen ist. Jesus stellt den Jüngern eine Frage: „Habt ihr nicht etwas zu essen?" Sie mussten ihre Leere eingestehen, dass sie noch nicht gerüstet für die Situation gestellt waren.

Diese Frage stellt Jesus auch uns. Haben wir etwas zu essen, etwas, von dem man satt wird? Können wir mit unseren Zielen den Lebenshunger stillen, die tiefere Sehnsucht der Menschen befriedigen? Nein, wir können es nicht allein oder vollumfänglich. Was haben wir wirklich schon? Leere Hände oder auch sehnsüchtige Herzen! Von uns aus allein haben wir nichts, was unseren Hunger stillt, nichts, was das Dunkel erhellt, nichts, was die Leere füllt. Das zu erkennen, ist die Voraussetzung für eine ganz andere und auch neue Erfahrung. Den Jüngern sagte Jesus: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen." Die Jünger erleben die überraschende Wende, eine Fülle, mit der sie nicht gerechnet haben. Diese Erfahrung können auch wir machen: Es gibt einen, der unsere Vergeblichkeit in Fülle verwandeln kann, unsere Traurigkeit in Freude, unseren Tod in Leben. Wir müssen nur wie die Jünger seinen Worten Glauben schenken oder ihnen eine außergewöhnliche Kraft zutrauen: „Werft das Netz aus! Symbol des Lebens und Vertrauens! Auch die Mitwirkung der Jünger ist in diesem Fischfang gefragt. Natürlich braucht Gott Menschen, die sich als Menschenfischer oder Hirten der Herde Gottes einsetzen lassen.

Pastor Klaus Koltermann

Einleitung Bitten

In der österlichen Zeit erinnern wir uns dankbar an die Zusage Christi,
dass das Leben über den Tod siegen wird.

Wir vertrauen darauf,
dass es auch für unsere verletzte Welt einen Weg zum Heil gibt; so bitten wir
Christus um den Geist der Wahrheit und des Friedens für alle Menschen:

Bitten

1. Wir beten für die Menschen in der Ukraine,
die unter Gewalt, Zerstörung und Hunger leiden;
für diejenigen, die um ihr Leben und ihre Heimat kämpfen,
und für die vielen, die ohnmächtig
in zerbombten Städten und Dörfern ausharren.
(oder GL 312.2 - Sende aus deinen Geist)

2. Wir beten für die Frauen und Männer in der ganzen Welt,
die alles daransetzen, die Ukraine zu unterstützen –
mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Hilfsgütern, aber auch mit Waffen;
für alle Helferinnen und Helfer in den europäischen Staaten,
die geflüchteten Menschen aus Kriegsgebieten Obdach,
Nahrung und Schutz bieten.
(oder GL 312.2 - Sende aus deinen Geist)

3. Wir beten für alle Menschen,
die immer weiter nach Wahrheit suchen,
und über den Krieg und seine Auswirkungen auf die Betroffenen aufklären;
für alle, die ihre Verantwortung in Politik und Gesellschaft annehmen
und auf der Suche nach Lösungen vertrauenswürdig handeln.
Für die Menschen in Jerusalem und im Heiligen Land,
die unter den andauernden Konflikten leiden
und sich nach einem friedlichen Miteinander sehnen.
(oder GL 312.2 - Sende aus deinen Geist)

4. Wir beten für die Verantwortlichen in der Politik,
die sich in diesen Wochen aktiv für einen fairen Wahlkampf
in ihren Bundesländern einsetzen;
und für die Bürgerinnen und Bürger - auch für die vielen,
die den Parteien und Institutionen kaum mehr vertrauen.
(oder GL 312.2 - Sende aus deinen Geist)

5. Wir beten für alle, die unter steigenden Lebenshaltungskosten leiden;
für Familien und ältere Menschen,
die in Armut leben und um ihre Existenz bangen;
und für alle in Caritas, Diakonie und anderen Einrichtungen,
die für Kranke und Beeinträchtigte, für Alte und Arme sorgen.
(oder GL 312.2 - Sende aus deinen Geist)

Wir beten für alle Verstorbenen, deren Glauben und Hoffnung nur Gott kennt;
für alle, die in unseren Erinnerungen lebendig bleiben und die uns begleiten.
(oder GL 312.2 - Sende aus deinen Geist)

Abschluss-Gebet

Jesus Christus,

dein Leben macht uns immer wieder Mut,

unseren Alltag zu bestehen.

Im Vertrauen auf deinen Sieg über den Tod

wollen und dürfen wir deinen Weg der Wahrheit weitergehen

und deinen Frieden suchen - jetzt und allezeit.

Amen

29.04.2022

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