zurück

108. Gemeindebrief zum 24.07.2022 - 17. Sonntag im Jahreskreis

Wer sich auf Gott einlässt, geht ein Wagnis ein.

Er setzt sein Leben auf diese Karte, und keiner garantiert ihm,
dass er dabei gewinnen wird.
Gläubige Menschen sind weder glücklicher noch gesünder,
weder erfolgreicher noch wohlhabender. Aber darum geht es auch nicht.

Wer sich von Gott angesprochen fühlt,
kann diesem Anspruch nicht ausweichen.
Er muss sich entscheiden, ob er dem Wort der Liebe vertraut,
ob er das Freundschaftsangebot annimmt oder ob er lieber auf Distanz bleibt.
Gott hat Zeit, er wartet auf uns.

Klaus Koltermann, Pfarrer

Lesung aus dem Buch Génesis.

In jenen Tagen sprach der Herr zu Abraham:
Das Klagegeschrei über Sodom und Gomórra, ja, das ist angeschwollen und ihre Sünde, ja, die ist schwer.
Ich will hinabsteigen und sehen, ob ihr verderbliches Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist, oder nicht.
Ich will es wissen.
Die Männer wandten sich ab von dort und gingen auf Sodom zu.
Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.
Abraham trat näher und sagte:
Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?
Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt:
Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten in ihrer Mitte?
Fern sei es von dir, so etwas zu tun:
den Gerechten zusammen mit dem Frevler töten.
Dann ginge es ja dem Gerechten wie dem Frevler.
Das sei fern von dir.
Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?
Da sprach der Herr:
Wenn ich in Sodom fünfzig Gerechte in der Stadt finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
Abraham antwortete und sprach:
Siehe, ich habe es unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten?
Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.
Er fuhr fort, zu ihm zu reden:
Vielleicht finden sich dort nur vierzig.
Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.
Da sagte er:
Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig.
Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.
Darauf sagte er: Siehe, ich habe es unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig.
Er antwortete: Ich werde sie nicht vernichten um der zwanzig willen.
Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn.
Er sprach: Ich werde sie nicht vernichten um der zehn willen.

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolóssä.

Schwestern und Brüder!

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Ihr wart tot infolge eurer Sünden und euer Fleisch war unbeschnitten;
Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben.
Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Jesus betete einmal an einem Ort;
als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm:
Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat!
Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht:
Vater, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen!
Und erlass uns unsere Sünden;
denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist.
Und führe uns nicht in Versuchung!
Dann sagte er zu ihnen:
Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt:
Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
Ich sage euch:
Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet.
Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
Oder welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Predigt

„Wenn ich wieder gesund werde, werde ich eine Wallfahrt machen!" – Solche Versprechen hört man bisweilen. Auch wenn eine schlimme Nachricht uns erreicht oder wir vor einer großen Aufgabe stehen, versuchen wir manchmal, Gott gnädig zu stimmen und mit ihm zu „verhandeln".

Die (erste) Lesung aus dem Buch Genesis legt tatsächlich so eine Haltung nahe: Abraham verhandelt mit Gott um das Schicksal Sodoms. Von ursprünglich fünfzig Gerechten für die Verschonung der ganzen Stadt gelingt es ihm, Gott so milde zu stimmen, dass er sogar wegen nur zehn Gerechten die ganze Stadt verschonen würde. Der Verlauf der Verhandlungen legt sogar nahe, dass Abraham Gott noch weiter herunterhandeln könnte, bis die ganze Stadt automatisch verschont wird. Als Verhandlungstaktik verweist Abraham dabei auf die Gerechtigkeit Gottes, die ja dann ungerecht würde, wenn Sünder und gute Menschen gleichermaßen hinweggerafft würden. Abraham schlägt sozusagen Gott mit dessen eigenen Waffen.

Im Evangelium geschieht etwas ganz ähnliches: Hier ist es Jesus, der ermuntert, unablässig Gott zu bitten: „Bittet, und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet" (Lk, 11,9). Jesus selber verweist darauf, dass erst recht Gott die Bitten seiner Kinder erfüllen wird, wenn die „bösen" Menschen schon ihresgleichen Gutes tun.

Doch sooft wir auch um etwas beten und inständig flehen, wir machen in der Realität immer wieder die Erfahrung, dass es doch anders kommt, als wir uns das wünschen. Denken wir nur an Zeiten des Krieges, in denen wir Friedensandachten und Friedensgebete in großer Zahl feiern. Oder auch private Gebete um Gesundheit, um ein gutes Miteinander – wir erfahren, dass das doch nicht so eintritt, wie von uns erwünscht und erbeten. Also hört Gott unser Bitten nicht? Oder bitten wir nicht inständig genug?

Der Schlüssel liegt wohl meines Erachtens im letzten Satz des Evangeliums, wenn Jesus zusammenfasst, was Gott eigentlich schenken will: „Wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten."

Gott ist also keine „Erfüllungsmaschine", von dem wir alles bekommen, was wir uns gerade wünschen. Das wäre bei so vielen Menschen mit den unterschiedlichsten Anliegen auch ein Ding der Unmöglichkeit, schließen sich doch viele Wünsche gegenseitig aus. Vielmehr soll im Mittelpunkt unserer Gebete die Bitte um die Gabe des Heiligen Geistes stehen. Denn Gottes Geist befähigt, mit den Situationen des Lebens in rechter Weise (und damit in Menschenfreundlicher Art) umzugehen. Es geht nicht einfach darum, die eine Situation gegen die andere einzutauschen, sondern der Geist Gottes beschenkt uns mit seinen Gaben: Er tröstet uns in der Trauer. Er bringt Kühlung in hitzigen Debatten. Er berät, wenn die Wege schwierig werden. Er gibt uns die Gabe der Weisheit zu unterscheiden, was in einer Situation richtig oder falsch, zu tun oder zu unterlassen ist. Gottes Geist führt uns in die Liebe Gottes und lässt unser Vertrauen auf Gott stark sein und immer mehr wachsen. Der Geist Gottes nimmt uns hinein in die Liebe des Vaters, der seinen Kindern nichts Böses will. Der Geist Gottes zeigt uns Gott als einen guten und uns liebenden Vater, der uns gibt, was wir brauchen, aber nicht unbedingt das, was wir wünschen.

So müssen wir auch das Vaterunser richtig verstehen, das Jesus zu Beginn des heutigen Evangeliums seine Jünger lehrt! „Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme." Zusätzlich lesen wir noch beim Evangelisten Matthäus: „Dein Wille geschehe!" Es geht nicht einfach um unsere Vorstellung, sondern um die Verherrlichung Gottes. Zwei bzw. drei Mal wird ausdrücklich „dein" formuliert. Die Bitten, die dann für uns angefügt werden, beinhalten Grundbedürfnisse: das tägliche Brot, die Vergebung der Sünden, die Abwendung von Versuchungen.

Von Jesus selber können wir lernen, der auch gebetet hat: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Gott hat Jesus nicht im Stich gelassen, und wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Gott sich auch uns zuwendet und uns in seiner Liebe schenkt, wessen wir bedürfen.
Pastor Klaus Koltermann

Bitten Einleitung

Jesus ermuntert uns, mit allem zum Vater im Himmel zu kommen,
was uns am Herzen liegt.

Wie einem Freund oder einer Freundin sollen wir Gott damit sogar belästigen.
So lasst uns beten in den Anliegen dieser Tage und die Menschen Gott anvertrauen:

Bitten

1. Vater unser im Himmel:
Wir bitten für alle, die dir vertrauen, und für alle, die einen Weg zu dir suchen;
für die vielen Menschen, die sich zu dir bekennen
und dafür Nachteile oder sogar Verfolgung in Kauf nehmen.
- kurze Stille - V: Du, unser Gott - A: Wir bitten dich, erhöre uns.

2. Geheiligt werde dein Name:
Wir bitten für alle, die dich anrufen mit all den Namen,
mit denen Menschen dich nennen;
für alle, die den Namen deines Sohnes tragen
und seine Sehnsucht nach Einheit und Liebe teilen und weitergeben.
- kurze Stille - V: Du, unser Gott - A: Wir bitten dich, erhöre uns.

3. Dein Reich komme:
Wir bitten für alle, die kämpfen
für dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit,
auch angesichts von Krieg und Gewalt;
für alle, die kleine oder große Schritte tun, um die Schöpfung zu bewahren.
- kurze Stille - V: Du, unser Gott - A: Wir bitten dich, erhöre uns.

4. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen:
Wir bitten für alle, denen es am Nötigen fehlt –
zum guten Leben oder sogar zum Überleben;
für die Vielen, die jetzt wieder auf Getreide aus der Ukraine hoffen dürfen.
Und für alle, denen das Brot der Hoffnung für ihr Leben fehlt.
- kurze Stille - V: Du, unser Gott - A: Wir bitten dich, erhöre uns.

5. ...und erlass uns unsere Sünden:
Wir bitten für alle, die unter etwas leiden,
das sie getan oder unterlassen haben;
für alle, die unter den Sünden von anderen leiden - oder unter deren Folgen.
Und für alle, die nicht vergeben können, was sie erlitten haben.
- kurze Stille - V: Du, unser Gott - A: Wir bitten dich, erhöre uns.

6. Und führe uns nicht in Versuchung:
Wir bitten für alle, die auf dem Weg der Liebe stehenbleiben wollen;
für alle, die den Verantwortungen ihres Lebens ausweichen.
- kurze Stille - V: Du, unser Gott - A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Abschluss-Gebet

Wer bittet, empfängt,
wer sucht, wird finden.
Darauf wollen wir vertrauen,
dafür danken wir dir und preisen dich heute
und alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit. Amen.

Quelle: Bistum Tier

22.07.2022

drucken | zurück

 

powered by webEdition CMS