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Gemeindebrief zum 1. Advent am 27.11.2022

Einführung

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute ist der erste Advent!
Ein neues Kirchenjahr!
Welche Freude!
Welch frohe Erwartung!

Kerzenschein und Tannengrün, Glühwein und adventliche Musik, Geschenke kaufen, Kekse backen, leuchtende Kinderaugen - und dann dieses:
Die Sonne verfinstert sich, der Mond scheint nicht mehr, die Sterne fallen vom Himmel, die Völker der Erde verfallen in Wehklagen...
Muss das denn sein?
Heute, am ersten Advent?
Ein Evangelium vom Untergang der Welt?
Welch ein krasser Gegensatz!

Hildegard Ziemons
Mitglied der Pfarrbriefredaktion und bei Maria 2.0
Mail: pgr@dormagennord.de

1. Lesung: Jes 2,1-5

Lesung aus dem Buch Jesája.

Das Wort, das Jesája, der Sohn des Amoz, über Juda und Jerusalem geschaut hat. Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg des Hauses des HERRN steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Nationen. Viele Völker gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn vom Zion zieht Weisung aus und das Wort des HERRN von Jerusalem. Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Haus Jakob, auf, wir wollen gehen im Licht des HERRN.

2. Lesung: Röm 13,11-14a

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.

Schwestern und Brüder!
Das tut im Wissen um die gegenwärtige Zeit:
Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht! Vielmehr zieht den Herrn Jesus Christus an.

Evangelium Mt 24, 29-44

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Sofort nach den Tagen der großen Drangsal wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen; dann werden alle Völker der Erde wehklagen und man wird den Menschensohn auf den Wolken des Himmels kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Er wird seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, von einem Ende des Himmels bis zum andern.
Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. So erkennt auch ihr, wenn ihr das alles seht, dass das Ende der Welt nahe ist. Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater. Denn wie es in den Tagen des Noach war, so wird die Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in jenen Tagen vor der Flut aßen und tranken, heirateten und sich heiraten ließen, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein.
Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen.
Und von zwei Frauen, die an derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt dies: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Kath. Bibelwerk

Gedanken zum Evangelium

Heute ist der erste Advent!
Ein neues Kirchenjahr!
Welche Freude!
Welch frohe Erwartung!

Kerzenschein und Tannengrün, Glühwein und adventliche Musik, Geschenke kaufen, Kekse backen, leuchtende Kinderaugen - und dann dieses: Die Sonne verfinstert sich, der Mond scheint nicht mehr, die Sterne fallen vom Himmel, die Völker der Erde verfallen in Wehklagen... Muss das denn sein? Heute, am ersten Advent? Ein Evangelium vom Untergang der Welt? Welch ein krasser Gegensatz!

Vor 2 Wochen haben wir mit einer Gruppe aus Dormagen den Gasometer in Oberhausen besucht. „Das zerbrechliche Paradies" heißt die großartige Ausstellung, in die wir dort eingetaucht sind. Sofort kommen wieder Bilder hoch, die uns sehr beeindruckt haben: blühende Landschaften, grüne Wälder, endloses Meer, Tiere im Einklang mit der Natur - und dann dieses: riesige Betonwüsten, verbrannte Wälder, endlose Müllhalden, verlassene Dörfer nach einer Flutkatastrophe, Trockenheit, verhungernde Menschen, abgemagerte Tierkadaver... Welch ein krasser Gegensatz!
Mich beschleicht ein ungutes Gefühl: Erleben wir gerade den Beginn der angekündigten Apokalypse? Krieg, Hunger, Klima, Stürme, Überschwemmungen, Hunger, Armut, Korruption, Geldgier, Machtmissbrauch... ist das erst der Anfang? Will das Evangelium am ersten Advent uns warnen?

Es lohnt sich, mal genauer hinzuschauen. In den Lesetexten des 1. Advents gibt es viele Hinweise, die uns Angst machen können, aber auch viele Lichtblicke, an denen wir uns orientieren können:

  • Advent, das bedeutet keineswegs nur die 4 Wochen vor Weihnachten. Advent ist nicht nur das stimmungsvolle Warten auf das Christkind, das Kommen Jesu in Bethlehem. Advent ist auch das Warten auf das Kommen des Herrn am Ende der Zeit, am Ende „unserer Zeit.
  • Das Evangelium will keine Spekulationen anregen, sondern ins Hier und Heute die Mahnung sprechen: „Der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet" (Mt 24,44). Und er wird nicht kommen „auf den Wolken des Himmels". Das zu glauben ist dem Menschen im 21. Jahrhundert nicht mehr zuzumuten. Der Weltuntergang und das Erscheinen Christi ereignen sich irgendwann in jedem menschlichen Leben. Die Stunde des Todes ist es, die eintritt, wenn wir es nicht erwarten. Aber dass in dieser Stunde der „Menschensohn", die in Jesus Christus Wirklichkeit gewordene Menschlichkeit, auf uns zukommt, darf uns Trost und Zuversicht sein und Grund zu adventlicher Freude.
  • So betet der Priester in jeder hl. Messe nach dem Vater unser: „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten!"
    „Voll Zuversicht", nicht mit Angst und Schrecken!
    „Voll Zuversicht", weil der, der kommen wird, zu richten die Lebenden und Toten, ein gnädiger und barmherziger Richter sein wird, Jesus, unser Heiland und Erlöser.
  • Das Evangelium mahnt zur Wachsamkeit.
    Und die drastischen apokalyptischen Bilder wollen nicht erschrecken und Angst machen, sondern aufrütteln, aufwecken aus dem Schlaf der Sicherheit, herausrufen aus Routine und Trott, aufwecken aus Lethargie und Gleichgültigkeit. Denn es erwartet uns kein Ende mit Schrecken und schon gar nicht ein Schre-cken ohne Ende, sondern Vollendung in Gott, Gemeinschaft mit Gott. „Wenn all das geschieht, erhebt euer Haupt, denn eure Erlösung ist nahe!"

Das heutige Evangelium mahnt uns also zur Wachsamkeit für das Kommen Gottes in unserer Welt. Wachsam zu sein und wachsam zu bleiben. Die kirchlichen Fastenzeiten laden uns ein, Verzicht zu üben, um Zeit und Wachsamkeit für Gott zu gewinnen. Sie laden uns ein, uns zu besinnen und uns wieder neu auf Gott auszurichten. Es ist eine Einladung zur Veränderung, umzukehren und etwas anders zu machen. Es ist eine Einladung sich fürs neue (Kirchen)Jahr etwas vorzunehmen.
Gott ankommen lassen in meinem Leben.
Und was bedeutet das ganz konkret?
Hier und heute?
Wenn ich an die Bilder im Gasometer denke, möchte ich ergänzen, dass es noch eine dritte Gruppe von Bildern gab: Bilder, die Hoffnung machen; Bilder, die zeigen, dass es auch anders gehen kann mit dem Klima, mit der Müllproduktion, mit der Ausbeutung der Bodenschätze - Bilder, die Mut machen, neue Wege zu gehen...
Wir müssen uns nicht abfinden mit den großen und kleinen Katastrophen in unserer Welt und mit dem Finger auf andere zeigen. Wir müssen wachsam sein, hinschauen, wo Unrecht geschieht, protestieren, wo Menschenrechtsverletzungen passieren, anprangern, wo Missbrauch und Gier herrschen, einschreiten, wo Verschwendung droht...
Aber auch im Kleinen können wir vieles bewirken, wenn wir wachsam sind:
wir kümmern uns um Menschen in unserem Umfeld, denen es nicht so gut geht; wir sparen Wasser, Gas und Strom, wo es nur möglich ist; wir spenden das Geld, das der Staat uns schenkt...
„Wir wollen gehen im Licht des HERRN" heißt es in der ersten Lesung bei Jesaja.
Ich glaube, das gelingt uns, wenn wir wachsam sind und bleiben.

Fürbitten

Einleitung:
Gott, du unser Vater und unsere Mutter, wir können dich um alles bitten.
Du ermahnst uns in dieser Adventszeit, wachsam zu sein,
damit wir deine Gegenwart nicht verpassen.
Wir bringen unsere Bitten vor dich:

1. Wir beten für die Kirche. Wir beten für die Priester und Bischöfe, die wachsam sind für die Fragen und Nöte der Menschen und für die, die in der Kirche nach neuen Wegen suchen. Wir beten auch für die, die sich in der Kirche nicht mehr zu Hause fühlen oder sie schon verlassen haben.
Kurze Stille - Du Gott der Erneuerung: Wir bitten dich, erhöre uns.

2. Wir beten für die Menschen, die Verantwortung tragen. Wir beten für die Politiker und Wissenschaftler, die wachsam auf unser Klima schauen und sich um unsere Zukunft sorgen. Wir beten auch für die, die den Ernst der Lage noch nicht erkannt haben.
Kurze Stille - Du Gott des Lebens: Wir bitten dich, erhöre uns.

3. Wir beten für alle Menschen, die Not leiden. Wir beten für die Kriegsopfer, die Hungernden und für alle, die jetzt schon unter der Klimakrise leiden müssen. Wir beten auch für die, die wachsam nach Wegen suchen, um anderen Menschen zu helfen.
Kurze Stille - Du Gott der Liebe: Wir bitten dich, erhöre uns.

4. Wir beten für die Menschen in unseren Gemeinden. Wir beten für alle, die in dieser Advents- und Weihnachtszeit wachsam auf ihre Mitmenschen und ihre Umwelt schauen und für alle, die stark belastet sind und nach Ruhe und Geborgenheit suchen. Wir beten auch für alle, die schon verstorben sind und bei dir Ruhe gefunden haben.
Kurze Stille - Du Gott der Barmherzigkeit: Wir bitten dich, erhöre uns.

Abschluss:
Du wachsamer Gott, du kennst unsere Sorgen und Nöte.
Du kennst auch die Bitten, die hier nicht ausgesprochen wurden.
Nimm an unser Gebet. Amen.

25.11.2022

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