zurück

Gemeindebrief Weihnachten 2022

Im Advent singen wir vom Heiland, der die Himmel aufreißt,
vom Gerechten, vom König aller Königreich, vom Heiland aller Welt
und haben dabei natürlich einen Mann vor Augen.
Einen Erwachsenen, der mächtig ist, der machtvoll die Welt regiert ...
und dann kommt Weihnachten und Jesus liegt in der Krippe.

Ein Kind.
Ein hilfloses Wesen.
Wie passt das zusammen?
Darüber wollen wir an Weihnachten nachdenken.

Birgit Linz-Radermacher
Vorsitzende des Pfarrgemeinderates
Mail: pgr@dormagennord.de

Kyrie

Herr, wir hatten in den 4 Wochen der Adventszeit die Möglichkeit
uns auf Weihnachten, auf deine Geburt vorzubereiten.

Haben wir die Zeit wirklich genutzt, um nachzudenken,
was deine Geburt für uns bedeutet?
Herr, erbarme dich.

Haben wir uns in der lauten Hektik der Vorbereitungen
die Zeit und Ruhe genommen, um auf deine Botschaft zu hören?
Christus, erbarme dich.

Haben wir nicht nur routinemäßig auf unsere Nächsten geschaut,
sondern sie ganz bewusst in den Blick genommen?
Herr, erbarme dich.

Herr, du bist als Kind in diese Welt gekommen,
um mit uns Menschen zu leben und uns nahe zu sein.
Lass uns immer wieder deine Nähe erfahren
und deine Liebe und Vergebung spüren.

Amen.

Lesung aus dem Buch Jesaja 9, 1-6

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht;
über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.
Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude.
Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte,
wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter,
den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Mídian.
Jeder Stiefel, der dröhnend daher stampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt,
wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers.
Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt.
Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt; man rief seinen Namen aus:
Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids
und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit.

Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.

Wort des lebendigen Gottes für uns. Dank sei Gott.

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an Titus.2, 11-14

Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.

Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Wort des lebendigen Gottes für uns. Dank sei Gott.

Evangelium nach Lukas 2, 1-20

Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ,
den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen.
Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.
Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.
Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr.
Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Christus, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen:
Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Lasst uns nach Betlehem gehen, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr kundgetan hat!
So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.
Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.
Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.
Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Lob sei dir Christus.

Gedanken zum Weihnachtsfest

Im Advent singen wir vom Heiland, der die Himmel aufreißt, vom Gerechten,
vom König aller Königreich, vom Heiland aller Welt und haben dabei natürlich einen Mann vor Augen. Einen Erwachsenen, der mächtig ist, der machtvoll die Welt regiert ... und dann kommt Weihnachten und Jesus liegt in der Krippe.
Ein Kind. Ein hilfloses Wesen.
Wie passt das zusammen?

Wir kennen natürlich wie die Geschichte von Jesus weitergeht und wissen um sein Leben und vor allem um seinen Tod und seine Auferstehung. Aber bleiben wir einen Augenblick lang beim heutigen Weihnachtsfest, bei der Geburt Jesu.
Da liegt ein Kind in der Krippe.
Was ist hilfebedürftiger als ein Kind?
Ein Kind, das ohne Unterstützung der Eltern,
ohne Hilfe von anderen nicht überlebensfähig ist.
Da ist nichts Machtvolles, keine Machtdemonstration, kein Machtgehabe.

Und dann noch die Geburt in einer Krippe, einem Stall unter Tieren, unter einfachen ärmlichen Bedingungen. Das passt nicht zu einem Herrscher, einem von dem man Heil erwartet, einem, der unsere Not zum Ende bringen kann.
Die Geburt wird auch nicht den Großen und Herrschenden verkündet, sondern Hirten, also den Ärmsten der Armen, den Unterdrückten und Rechtlosen.
Das, was die Hirten hören, ist auch nicht etwa eine himmlische Moralpredigt und auch keine Vertröstung auf eine bessere Zeit, es ist die Teilhabe an einem himmlischen Fest und zwar hier und jetzt!
Ihnen wird verkündet: „Fürchtet euch nicht!"
Im Gegenteil: Sie sollen sich freuen. Sie dürfen sich freuen.
„Freut euch!" Über ein Kind dürfen sie sich freuen.

Über dieses hilfebedürftige Kind in Windeln gewickelt dürfen auch wir uns freuen, denn auch wir erfahren durch dieses Kind Teilhabe am himmlischen Fest. Auch wir sind eingeladen, die Liebe, wie nur ein Kind sie uns schenken kann, zu erleben.

Das wunderbare an der Geburt Jesu ist, dass Gottes Heilsgeschichte mit uns nicht mit Forderungen, nicht mit Macht und Unterdrückung, nicht mit Moral und Angst, sondern mit einem Geschenk beginnt!
Einem machtlosen, hilfsbedürftigen Kind.
Einem Geschenk der Liebe.

Gott liebt uns und das Kind ist ein eindrückliches Zeichen, dass es Gott mit seiner Liebe zu uns ernst meint, denn durch dieses Kind teilt er das Leben mit uns. Jesus tritt nicht machtvoll erst als Erwachsener auf, sondern er lebt mit uns das ganze Leben, von der Kindheit über die Jugend bis ins Erwachsenenalter ist er uns nahe. Und Jesus bleibt der Liebe, die mit seiner Geburt begonnen hat, treu. Jesus hat keine Vorurteile, macht keine Unterschiede, er liebt alle Menschen und predigt von Nächstenliebe, Verständnis, Achtung voreinander, Wertschätzung, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Frieden untereinander.
Macht und Unterdrückung sind auch als Erwachsener nicht seine Werte, sondern die Teilhabe aller Menschen an der Liebe Gottes und die Freude am himmlischen Fest der Befreiung für alle.

In diesen Zeiten keine einfache Botschaft. Es herrscht Krieg in vielen Teilen der Erde, dazu die Klimakrise, Armut und Hunger in vielen Ländern, autoritäre Staatenlenker, die das Leid nicht bekämpfen, sondern vergrößern. Und selbst in der Kirche kann durch Missbrauch, Macht und Ungleichheiten kaum von der Teilhabe aller Menschen am Fest die Rede sein.

Aber Gott setzt durch das hilflose Kind gerade in diesen Zeiten ein ganz besonderes Zeichen der Hoffnung. Gott setzt auf Liebe, nicht auf Macht, Krieg und Ungerechtigkeiten, sondern allein auf die Liebe!

Wenn wir alle zu Freudenboten werden wie die Hirten, wenn wir die Liebe Gottes in diesem Kind vor uns in der Krippe erkennen und sie durch Nächstenliebe und Wertschätzung, durch einen gleichberechtigten Umgang miteinander, durch Gerechtigkeit und durch Mut und Aufbruch sichtbar werden lassen, dann kann vielleicht, nein, dann kann ganz bestimmt Teilhabe aller Menschen am himmlischen Fest möglich sein.
Werden wir also wie die Hirten zu Boten der Freude und der Liebe.
Wenn nicht an Weihnachten, wann dann?

Fürbitten

Herr, wir tun uns schwer mit deiner Botschaft in diesen Zeiten. Bitte hilf uns:

Wir bitten für alle Kinder, dass sie eine Zukunft haben, in der sie in Frieden und Freiheit, mit Anerkennung und der Möglichkeit zur Bildung leben und in der sie vor allem in Liebe aufwachsen können.

Wir bitten für alle Menschen, die unter Krieg leiden, dass sie die Hoffnung auf Frieden und ein gerechtes Leben nie aufgeben.

Wir bitten für alle Menschen auf der Flucht, dass sie ein Zuhause finden, in dem sie ohne Vorurteile und in Gleichberechtigung leben können.

Wir bitten für alle Menschen, die unter der Klimakrise leiden, dass die Menschheit endlich handelt und die Erde, die du uns geschenkt hast, schätzt und pflegt.

Wir bitten für alle Menschen, die unter Macht und Unterdrückung leiden, dass sie Befreiung erfahren können.

Wir bitten für alle Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und Kirche, dass sie lernen mit ihrer Verantwortung im Sinne und zum Wohl der Menschen umzugehen.

Wir bitten für uns alle, dass wir uns über das Geschenk der Liebe freuen und die Botschaft Gottes fröhlich weitertragen können!

Herr, wir bitten dich, erhöre alle unsere Gebete, auch die unausgesprochenen und stärke uns mit deiner Liebe, die du uns an diesem Tag wieder vor Augen geführt hast.

Amen.

Gebet

Herr, du hast uns mit der Geburt deines Sohnes ein Geschenk der Liebe gemacht.
Dafür danken wir dir.
Wir wollen unsere Dankbarkeit ausdrücken, in dem wir deine Liebe weitertragen,
in dem wir allen unsere Freude zeigen.

Herr, schenke uns dazu deinen Segen:
Segne uns, dass wir mit deiner Liebe jetzt und hier zum freudigen Segen für unsere Familien, zum Segen für alle, die wir schätzen und lieben, werden.
Amen.

Meditation - Kurt Marti

geburt

ich wurde nicht gefragt                     ich wurde nicht gefragt
bei meiner zeugung                            bei meiner geburt
und die mich zeugten                         und die mich gebar
wurden auch nicht gefragt                wurde auch nicht gefragt
bei ihrer zeugung                                 bei ihrer geburt
niemand wurde gefragt                      niemand wurde gefragt
außer dem Einen                                  außer dem Einen
und er sagte                                          und der sagte
ja                                                       ja

 

23.12.2022

drucken | zurück

 

powered by webEdition CMS