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Glaubensgespäche

Glaubensgespräche

Neue Gesprächsreihe über "Das Fremde" aus unterschiedlicher Perspektive

Um die Gegend, in der er wohnt, zu charakterisieren, erzählte ein Mann einen Witz und sagte: „Überall in Deutschland werden Gästezimmer vermietet. Bei uns heißt es Fremdenzimmer.“ Das Wort Fremdenzimmer wirkt etwas aus der Zeit gefallen und erinnert an „Draußen nur Kännchen“. Zugleich zeigt sich in dieser Episode, was das Fremde bestimmt: Fremdsein hat einen beziehungsähnlichen Charakter und wird hergestellt, indem eine Aussage über das Eigene und das andere getroffen wird. Was das Eigene ist, wird damit durch Abgrenzung vom anderen bestimmt – und oftmals überhaupt erst bestimmbar.

Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache erklärt „fremd“ als „von auswärts stammend, nicht heimisch, nicht zugehörig, unbekannt“ und bestimmt es als etymologisch verwandt mit dem englischen „from“ – fort, vorwärts, weg – und nimmt als Grundbedeutung „entfernt“ oder „fern“ an. Als Fremder wurde ein „Auswärtiger“ oder ein „Gast“ bezeichnet. Das griechische „xenos“, von dem z.B. 
in Mt 25,31-46 die Rede ist („Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“), hat ein Bedeutungsspektrum, das von „Gast“, der bewirtet wird, über „unbekannte Person/Fremder“ bis hin zu „Söldner“ reicht.

Diese Wortbedeutung von „Gast“ scheint inzwischen eher verloren gegangen zu sein und es scheint ein gewisser Unterton mitzuschwingen: Fremdsein ist nicht nur eine Beschreibung, sondern weist auch eine Position zu: Wer fremd ist, gilt als nicht zugehörig, das Fremde kann auch als Bedrohung wahrgenommen werden, das zu Verlust führen kann, wie es sich im populistischen Schlagwort der „Überfremdung“ zeigt. Das zeigt auch im verwandten Verb: wer mit etwas „fremdelt“ oder „befremdet ist“, hadert oder stimmt nicht zu.

Aber „Fremdeln“ ist auch eine Entwicklungsphase in der Kindheit. Säuglinge fremdeln, was ein Entwicklungsschritt ist, weil sie damit unterscheiden können zwischen Personen, die ihnen vertraut und die ihnen weniger vertraut sind. Und dass man sich fremd fühlt, unsicher ist, wenn man das erste Mal bei jemandem zu Besuch ist oder welche Anforderungen mit einer bestimmten Situation verbunden sind, gehört zum menschlichen Erfahrungsschatz.

Im Satz Jesu aus der sogenannten Weltgerichtsrede „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“ wird der prozessuale Charakter, der dem Fremdsein zukommt, deutlich: Fremdsein ist möglicherweise keine Dauerzuschreibung, sondern kann sich auch ändern – wiederum berichten oder ihres Namens Fremdsein zugeschrieben wird, dass ihnen unterstellt wird, sie würden schlecht Deutsch sprechen, dass sie gefragt werden, „wo sie wirklich herkommen“ usw. Auch Religionszugehörigkeit ist ein Faktor, der genutzt wird, um Menschen als fremd darzustellen.

Diese Gemengelage bildet für mich den Anlass, eine Gesprächsreihe zum „Fremden“ zu entwickeln und so umfassen die Abende philosophische sowie theologische Zugänge zum Thema.

Ziel ist, das Thema „Das Fremde“ aus verschiedenen Perspektiven zu erschließen.

Herzliche Einladung!

Pastor Klaus Koltermann

Die Gesprächsabende finden donnerstags von 20-22 Uhr im Pfarrheim
von St. Pankratius, Dormagen-Nievenheim, Conrad-Schlaun-Straße, statt:

29. Januar: Unterschiedliche Formen des Fremdseins und Exkurs über den Fremden

26. März: Dürfen Notleidende an den Grenzen wohlhabender Grenzen abgewiesen werden?

23. April: Wie wird Fremdheit, wie werden Fremde wahrgenommen und wie erleben sich Fremde?

28. Mai: Biblische Perspektive: „Denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen…“